Kunst- und Kulturgüter der Stiftskirche

In der Stiftskirche St. Margarethen wird  ein großer Schatz an Kunst- und Kulturgüter überliefert, der von der bewegten Geschichte des Kloster, des Kollegiatstifts und der Pfarrkirche St. Margarethen erzählt.

Einen besonderen Ein-Blick in diesen Schatz hat die Künstlerin Mira Bergmüller mit ihrem Kunst-Fotobuch INVENTUR geschaffen. Sie bietet Ein-Sichten in Räume der Stiftskirche, die der breiten Öffentlichkeit sonst verwehrt bleiben. Sie beschreibt die Kirche aus ihrer alltäglichen Nutzung heraus und schärft so den Blick für Kunst und Architektur als Zeugen einer Glaubensgeschichte zwischen scheinbarer Banalität und Poesie. Vergessenes trifft auf Umfunktioniertes, Kostbares auf Einfaches. Neu- und altgenutzte Orte und Objekte erzählen vom tiefen Glauben, der in der Schlichtheit des Kirchenalltags sichtbar wird. Zwischen den Fotografien finden sich Skizzen der durchwanderten Räume, wobei mit den Grenzen zwischen Dokumentation und Stimmungsbild gespielt wird. Die Architekturzeichnung wird zitiert, jedoch nicht genau übernommen – sie dient der Illustration vager Erinnerungen und Raumerfahrungen.

 

 

Mira Bergmüller

Inventur

Herausgegeben von der Römisch-katholischen Kirchengemeinde Waldkirch
Texte von Mira Bergmüller, Heinz Vogel, Isabelle von Marschall
Gestaltet von Katja Bode
96 Seiten, 60 Farb- und 6 S/W-Abbildungen
ISBN 978-3-86828-879-7
Euro 29,90
 
 
 
 

Seit 2016 arbeitet ein dreiköpfiges Team von Ehrenamtlichen Woche für Woche an der Erfassung dieser Objekte. Inzwischen sind gut 1000 Einheiten erfasst – und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

 

Darunter befinden sich Kunstwerke von europäischem Rang: An der Spitze steht dabei ein Bergkristall-Kreuz von Marx Kienlin d. Ä., das um 1600 entstanden ist und im Elztalmusum gezeigt wird. Ein Ensemble aus über zwanzig Kelchen dokumentiert 350 Jahre Silberschmiedekunst, vor allem aus Augsburger Werkstätten. Unter den Stücken befinden sich solche, die für die Stiftsgeschichte von herausragender Bedeutung sind: so der Kelch des Augsburger Meister Georg Ernst (datiert 1630/1635).

Der Kelch entstand während der Endphase des 30jährigen Krieges, als das Kollegiatstift und die Stadt Waldkirch extrem in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die künstlerische Ausstattung erzählt über verwendeten Heiligenbildnisse die jahrhundertealte Kloster- und Stiftsgeschichte. Dargestellt sind die Stiftspatrone, die Gottesmutter und die heilige Margareta, die heilige Walburga als Patronin der alten Leutkirche/Pfarrkirche, der heilige Petrus und der heilige Martin als die Patrone der alten Wald-Kirchen (vorklösterliche Zeit), sowie Johannes der Täufer (Kaplanei). Der Kelch ist damit ein kleines Monument der Selbstvergewisserung in extremer Kriegssituation – und eine Glaubensbekenntnis der „himmlischen Zuflucht“ in Todesgefahr.

 

Wie es mit St. Margerethen nach der Säkularisation weiterging, davon erzählt ein großartiger Bestand an Textilien des 19. Jahrhunderts, aber auch Plastiken und weitere Objekt des kirchlichen Alltags. So hat sich aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein wertvoller weißer Ornat erhalten, der alle notwendigen Textilien für das feierliche Hochamt umfasst, inklusive Pluviale und Schultervelum (Inv. Nr. 0314).

 

Der Eingangsbereich der Stiftskirche wurde 2018 mit Unterstützung durch Ganter Interior GmbH umgestaltet: Seitdem gibt es hier eine Möglichkeit für Kabinettausstellungen , so dass nach und nach eine Vielzahl der Kunstwerke und Kulturgüter gezeigt werden kann, die bislang in den Depots verborgen sind und zum Teil seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich gezeigt wurden.

 

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