Lacht Gott?  Ein Dialog

 
Lachender Engel
Wenn man Beter sieht mit ernstem, verkniffenem Gesicht kann man sich kaum vorstellen, dass der Gott, zu dem sie beten, lacht.
Ist es so verwunderlich, dass Beter ernst sind, wenn sie sich in ihrer Not an Gott wenden - trauernd und bittend?
 
Nein das ist nicht verwunderlich. Doch das ist nur eine Seite des Lebens. Wo bleibt die andere Seite? Lachen befreit. Humor schenkt Gelassenheit. Fröhlichkeit steckt an. Witz verändert die Wirklichkeit.
Beten tut man würdevoll und ernsthaft und nicht wie ein Possenreißer im Zirkus. Wenn du zu deinem Chef gehst, alberst du ja auch nicht herum.
 
Ha, als ob das Lachen nicht auch ernsthaft ist und voll Würde. Kannst du dir vorstellen, dass Gott die Erde an­sah und stocksteif und mit bitterbösem Gesicht sagte: Alles ist sehr gut! Glaubst du nicht, dass er wenigstens gelächelt hat?
Er war voller Freude und ganz ernst. Gott macht sich nicht lächerlich!
 
Ich glaube er hat gelacht, befreit und glücklich und überschwänglich wie eine Mutter oder ein Vater, die ihr Neu­geborenes in Händen halten. 
Lachen zeigt unsere Schwäche. Es verunstaltet unser Gesicht. Es lässt uns die Ehrfurcht vor Gott vergessen. Alte und Kinder lachen, Ver­rückte, Clowns und Narren.
 
"Der Teufel, das ist die Anmaßung des Geistes, der Glaube ohne ein Lächeln, die Wahrheit, die niemals vom Zweifel erfasst wird".
Umberto Eco
 
Sie erfreuen sich und andere damit. Sie zeigen, dass diese Welt mit ihren sogenannten Sachzwängen, ihren Mächten und Mächtigen nicht unveränderbar ist. Sie be­trachten die Dinge von einer anderen Seite und schon sind sie komisch: Der Orden behängte General hat von hinten gesehen nur ein dickes Hinterteil. 
Sie attackieren die Autorität und irgendwann auch Gott!
 
Autoritäten ja, Gott nein. Weil Menschen Gott glauben, des­halb lachen sie und machen die Erde dadurch bewohnbar. Sie erinnern an die Größe Got­tes, indem sie die selbster­nannten Wichtigtuer und Halb­götter ausla­chen und dadurch wieder zu Menschen machen. Geläch­ter entlarvt Götzen.
Das Gelächter stürzt die Ordnung um. Und dann bleibt nur noch Angst...
 
...wenn man nicht an Gott glaubt und sich nur auf Macht verlässt. Die Ordnung muss ab und zu durcheinanderge­bracht werden, um des Menschen willen. Lachen heilt von Größenwahn und Anmaßung.  Es erinnert an unsere Geschöpflichkeit. Deshalb braucht das Gebet das La­chen, den Humor, den Witz. Verkniffene Beter neh­men sich wichtig, nicht Gott.
 
Meinrad Bumiller
 
 
Wer sich selbst nichts gönnt, wem kann der Gutes tun?
Er wird seinem eigenen Glück nicht begeg­nen. ...
Versag dir nicht das Glück des heutigen Tages; an der Lust, die dir zusteht, geh nicht vorbei!
Jesus Sirach 14