Das aufstrahlende Licht aus der Höhe

23.12.2025 | Wort für die Woche

Wer am vergangenen Sonntag zur Wintersonnwende auf dem Kandel war, dem ist diese Kulisse vertraut: eine dunkle Kapelle, viele Kerzen auf dem Altar und eine kleine Figur, deren Umrisse vergrößert an der Wand sichtbar werden. 
Es erzählt davon, dass Großes oft klein beginnt. Und dass es Menschen braucht, die Raum schaffen, damit dieses Licht sichtbar werden kann.
 

Kandelkapelle Innenraum zur Wintersonnenwende
Im Zentrum dieses Bildes steht Jesus. Klein kommt er zur Welt – unscheinbar und in einem dunklen Stall. Und doch ist er das aufstrahlende Licht aus der Höhe, das allen leuchtet, die in Finsternis sitzen (Lk 1,78). 

Johannes der Täufer gehört untrennbar zu dieser Geschichte. Nicht, weil er im Mittelpunkt stehen will, sondern gerade weil er es nicht tut. Johannes tritt zurück, damit Jesus sichtbar werden kann. Er bereitet Jesus den Weg, kündigt ihn an und zeigt auf den, der kommt. So sind Johannes und Jesus miteinander verbunden: der eine weist den Weg, der andere ist der Weg; der eine kündigt das Licht an, der andere ist dieses Licht selbst; Vorbereitung und Erfüllung; Erwartung und Ankunft. Durch die Vorbereitung Johannes des Täufers kann das aufstrahlende Licht aus der Höhe von uns Menschen verstanden werden und wir können von diesem Licht angesteckt werden. 

Gerade an Weihnachten spricht dieses Bild zu uns. Viele Menschen sitzen noch in der Finsternis und sehnen sich nach dem aufstrahlenden Licht aus der Höhe. Oft sind es stille Dunkelheiten, die niemand sieht. Genau dorthin kommt Jesus. Nicht laut, nicht triumphierend, sondern leise und menschlich. Seine Größe drängt er nicht auf, sondern wartet, bis wir sie erkennen. Als Kind und Licht, das leuchtet, auch wenn die Nacht noch nicht vorbei ist.

Heiligabend heißt: Gott kommt uns nahe. Er wartet nicht, bis alles hell und geordnet ist. Sein Licht findet uns dort, wo wir stehen.

So wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest. Ein Fest, an dem Sie das aufstrahlende Licht aus der Höhe wahrnehmen können – vielleicht klein und unscheinbar, aber stark genug, um sich vom Licht anstecken zu lassen. 

Ihre Lisa Lauer, Gemeindeassistentin