Gräberbesuch

01.11.2025 | Wort zu Allerheiligen

Am Allerheiligennachmittag war ich - traditionell - auf dem heimatlichen Friedhof um das Grab meiner Eltern zu besuchen. Mich überkam das Gefühl in die Stadt (die Gemeinschaft) der Toten einzutreten. Rund um das Grab meiner Eltern sind sehr viele ihrer Weggefährtinnen und -gefährten begraben. Sie sind bestens eingebettet und in mir tauchten - beim Lesen der vertrauten Namen - Gefühle und Erlebtes auf. 

Die Gräber waren (aller-)heiligenmäßig strahlend herausgeputzt und zeigten so eine Würdigung der Verstorbenen. Ganz nebenbei bemerkt: Seit längerem erlebe ich, dass ich durch die Würdigung meiner verstorbenen Eltern z.B. am Grab,
auch mich selbst und meine AHNEN(de) Lebensgeschichte würdige. In mir steckt Leben, dass mir meine Eltern schenkten und die der vorherigen Generationen. Tatsächlich hat es mich in diesem Jahr zu den Orten der schon länger eingeebneten Gräber meiner Urgroßeltern, die ich nicht kannte, und meiner Großeltern hingezogen. Es tat gut.
 
Dann gehört für mich Weihwassersprengen beim Gräberbesuch dazu, weil es mich an das Taufwasser erinnert und an die Würde Kind Gottes zu sein, im strahlenden Taufkleid (oder Leichenhemd). Logischerweise leuchtet eine Kerze auf dem Grab, an die Oster- und/oder Taufkerze erinnernd. Zeichen der Hoffnung, des Ostermorgens der Auferstehung.
 
Insbesondere an Allerheiligen begegne ich logischerweise Menschen, die ebenso Gräber besuchen, z.B. Schulkameraden. Ich schätze das sehr, genauso wie ich es schätzte als bei den beiden Begräbnissen meiner Eltern einige meiner Schulkameraden mit dabei waren. Für mich eine erlebte Gemeinschaft, die es so nicht gegeben hätte, wenn wir sie nur im kleinen Familienkreis oder in einem Friedwald bestattet hätten (dort dürften keine Kerzen aufgestellt oder Blumen gepflanzt werden).
 
Tote zu heiligen, sie strahlen zu lassen, hat Heilsames in sich.
 
So heißt es in der 2. Lesung am Allerheiligentag:
„Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch ist nicht offenbar, was wir sein werden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Jede/r, der diese Hoffnung auf ihn setzt, heiligt sich, so wie er heilig ist.“
1 Johannes 3,2+3
 
Übrigens: Bevor es zurück nach Waldkirch ging, machte ich noch einen kurzen Besuch bei einer meiner Schwestern.
Ein würdigender Allerheiligen- und eindrücklicher Allerseelentag.
 
Ihr Thomas Braunstein, Leitender Pfarrer