Gott ist im leisen Säuseln

08.10.2025 | Wort für die Woche

Gerade darf ich drei Tage im Kloster Beuron verbringen – einem Ort, an dem Benediktinermönche leben, beten und arbeiten. Die klare Tagesstruktur, die eindrucksvolle Klosteranlage, die Gebetszeiten und die umgebene Natur verleihen diesem Ort eine besondere Atmosphäre. Es ist ein Ort, der zum Innehalten einlädt.

In diesen Tagen begleitet uns der Prophet Elia. Er war einer der großen Gestalten des Alten Testaments – leidenschaftlich im Einsatz für den einen Gott, mutig im Widerstand gegen den Götzendienst. Doch dieser Einsatz forderte ihn. Nach vielen Kämpfen wurde Elia müde, ängstlich, erschöpft. Er floh auf den Gottesberg Horeb und suchte Zuflucht in einer Höhle – einem Ort der Stille, fern von Lärm, Hektik und Erwartungen. Doch allein war er nicht.
 
Gott begegnete ihm dort – nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer, sondern in einem sanften, leisen Säuseln.
 
Die Sehnsucht nach Ruhe und einer Pause, die Elia spüre, ist auch uns bekannt. Auch wir suchen manchmal Zuflucht vor dem, was uns überfordert – wir ziehen uns zurück, um zur Ruhe zu kommen, vielleicht auch, um uns zu verbergen und würden gerne auf „Pause“ drücken. Während unseres Aufenthalts hier haben wir diesen Rückzug selbst erlebt und einen Halt in einer Höhle gemacht. Ein solcher Ort vermittelt Sicherheit. Man meint, dort könne einen nichts erreichen. Aber Gott findet uns auch dort. Er kommt nicht laut oder drängend, sondern still. Er stellt eine einfache, aber tiefgehende Frage: „Was machst du hier?“ Und wie zu Elia, will er auch zu uns Worte sprechen, die Mut machen und neue Wege eröffnen.
 
Wie Elia Gott im leisen Säuseln erfahren hat, wünsche ich auch uns solche Erfahrungen: Gott sucht uns nicht, um uns mit Gewalt und Lautstärke zu tadeln, sondern um uns sanft aufzurichten. Er kann uns daran erinnern, wofür wir leben und schenkt neue Kraft. Gerade in der Erschöpfung kann das schwer zu glauben sein – und doch: Gott ist da.
 
Beim Blick aus der Höhle hinaus sehen wir: Das Leben wartet schon und Gott ist längst dort.
 
Lisa Lauer, Gemeindeassistentin