Über den Wolken

20.08.2025 | Wort für die Woche

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ – diese Liedzeile von Reinhard Mey ist wohl den meisten bekannt. Viele haben diese Freiheit schon gespürt: beim Blick aus dem Flugzeugfenster oder beim Innehalten auf einem Berggipfel.

Blick aus dem Flugzeug auf Gletscherströme
Auch ich durfte vergangene Woche den Blick aus dem Flugzeug über die Berge genießen. Ein Stück Freiheit schwingt mit, wenn man hinausschaut – auch wenn man im Inneren der Maschine eher eingeengt ist.
 
„Alle Ängste, alle Sorgen sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ An diesen Worten ist etwas Wahres dran. Unter den Wolken im Tal spüren wir die Steigungen, die Mühen, die Enge. Wege, die von oben klar erscheinen, sind von unten oft verborgen, steinig und wirken unüberwindbar.
 
Der Blick von oben schenkt einen Perspektivwechsel.
 
Aus der Vogelperspektive sehen die Berge plötzlich klein aus. Täler, Gipfel, Wege liegen unter einem, fast so, als könnte man das Leben in seiner ganzen Weite überschauen. Man wird sich der eigenen Kleinheit bewusst und das, was uns sonst belastet, kann für einen Moment an Gewicht verlieren. 
 
Auf dem Foto zeichnen zwei Felsstraßen im Tal ein Kreuz zwischen die mächtigen Bergketten. Für mich war das mehr als nur eine interessante Form: In diesem Kreuz liegt ein kraftvolles Symbol. Es erinnert daran, dass unsere Sorgen kleiner werden können, wenn wir sie in Geborgenheit legen. Diese Geborgenheit kann Gott sein. Er sieht unser Leben in einer anderen Perspektive – nicht von oben herab, sondern mit absolutem Überblick und in allen Perspektiven. Wo wir nur Hindernisse sehen, kennt er den Weg. Wo wir uns verloren fühlen, weiß er um das Ziel.
 
Der Blick aus dem Flugzeug kann uns daran erinnern: Wir sind nicht gefangen in unserer engen Sicht. Gott schenkt Freiheit, die wir erkennen können, wenn es uns gelingt, die Perspektive auf unser Leben für einen Augenblick zu wechseln. Und dann müssen wir gar nicht über den Wolken sein, um diese Freiheit zu spüren. 
 
Lisa Lauer, Gemeindeassistentin