Am 30.11.2023 fand im Epplehaus in Tübingen unsere Veranstaltung zum Thema "Antiziganismus in der Gesellschaft" statt. Kurz nach 19 Uhr begann das Event mit der Vorführung des Kurzfilms "Pamyataty" (Erinnere dich) des ukrainischen Regisseurs Petro Rusanenko. Großzügigerweise stellte uns Herr Rusanenko die Rechte für die Vorstellung an diesem Tag zur Verfügung.
Der Film erzählt die bewegende Geschichte zweier mutiger Frauen während des Zweiten Weltkriegs. Lyalya, die einzige Überlebende ihrer Rom:nja-Community, entkommt den Nazis und findet Zuflucht bei der jungen Ukrainerin Maria. Zunächst skeptisch aufgrund von Vorurteilen gegenüber Romnja, gelingt es Lyalya jedoch, Marias Bedenken abzubauen. Trotzdem entscheidet sich Lyalya dagegen bei Maria zu bleiben und wird schlussendlich von den Nazis umgebracht.
Nach den bewegenden Bildern des Films hielt Herr Dr. Reuter einen interessanten Vortrag zum Thema "Kontinuitätslinien des Antiziganismus: staatlicher Umgang und visuelle Kultur". Als wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle Antiziganismus in Heidelberg bereicherte Herr Dr. Reuter die Veranstaltung mit seinem umfangreichen Wissen. Er konzentrierte sich dabei zunächst auf die staatliche Ebene und deren Rolle bei der Aufnahme und Stärkung des Rassismus gegen Sinti:zze & Rom:nja. Er bezog sich dabei auf die Zeit vor dem Völkermord des NS-Regimes, die Zeit während der Nazi Herrschaft und die Entwicklungen nach 1945. Die im Vortrag präsentierten Fakten wurden begleitet durch Erzählungen über Erinnerungen von Interviewpartner:innen, die Herr Reuter während seiner Forschung anvertraut wurden. Im zweiten Teil seines Vortrags betonte Dr. Reuter die Bedeutung der visuellen Darstellung von Stereotypen gegen Sinti:zze & Rom:nja. Durch diese manifestieren sich Stereotypen besonders stark. Dabei zeigte er nicht nur historische, sondern auch aktuelle Bilder, durch welche der Rassismus gegen Sinti:zze & Rom:nja am Leben erhalten wird. Abschließend präsentierte Herr Dr. Reuter zwei Porträtserien in denen Sinti:zze & Rom:nja in ihrem Alltag und als Individuen dargestellt werden. Damit schaffen die beiden Fotographen, Chad Evans Wyatt aus den USA und Rogier Fokke aus den Niederlanden, gegen die stereotype Darstellung von Sinti:zze & Rom:nja vorzugehen.
Nach dem Vortrag gab es eine spannende Frage- und Diskussionsrunde, in der die Zuhörer:innen sich mit Herrn Dr. Reuter austauschen konnten. Wir danken Herrn Dr. Reuter herzlich für diesen informativen, fesselnden und erkenntnisreichen Abend. Ebenso danken wir dem Epplehaus für die Möglichkeit, die Veranstaltung bei ihnen durchzuführen. Ein besonderer Dank geht auch an alle Interessierten, die an der Veranstaltung teilgenommen haben.
Für Interessierte sind hier noch der Link zu den im Vortrag erwähnte Publikationen von Herrn Dr. Reuter, für die Unabhängigen Kommission Antiziganismus.
Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus 2021.