Flucht, Ausgrenzung und Delegitimierung von Fluchtgründen aus dem Westbalkan und der Ukraine

Veranstalter:Pro Sinti und Roma im Raum Heidelberg 
Referent: Sean McGinley 

Die Präsentation von Seán McGinley behandelte das Thema "Antiziganismus im Kontext von  Migration" und beleuchtete die vielschichtigen Herausforderungen und Vorurteile, mit denen  Roma auf ihrer Flucht und bei der Migration konfrontiert sind. 

Die Präsentation von Seán McGinley behandelte das Thema "Antiziganismus im Kontext von Migration" und beleuchtete die vielschichtigen Herausforderungen und Vorurteile, mit denen Roma auf ihrer Flucht und bei der Migration konfrontiert sind. 
 
McGinley führte seine Präsentation damit ein, dass Antiziganismus eine spezifische Form des Rassismus sei, die nicht auf dem Verhalten real existierender Roma basiere, sondern eine langjährige Praxis in der Mehrheitsgesellschaft darstelle.
 
McGinley verwies auf die Arbeit der Unabhängigen Kommission Antiziganismus, die feststellte, dass in den Debatten um Fluchtgründe seit den 1980er Jahren oft "Roma" als illegitime Asylsuchende dargestellt wurden. Dieser Umstand wurde anhand von Ereignissen wie den Pogromen von Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992 und der Einführung des Konzepts "Sicherer Herkunftsstaat" im Jahr 1993 illustriert. Es wurde deutlich, dass Roma als Problem wahrgenommen wurden, wodurch antiziganistische Denkweisen verstärkt wurden.
Die Präsentation behandelte die öffentliche Debatte über "Armutszuwanderung" nach der Einführung der Freizügigkeit für Menschen aus Bulgarien und Rumänien. Die Diskussion war von der Furcht vor einer vermeintlichen "Zuwanderung in die Sozialsysteme" geprägt. Dabei wurden Roma mit Stereotypen in Verbindung gebracht, um pauschale Vorurteile zu schüren.
 
Die Präsentation beleuchtete die Abschiebungen von Roma in die Länder des Westbalkans, die in den Jahren 2015 und 2016 stattfanden. Dabei wurde verdeutlicht, dass die Abgeschobenen oft seit Jahren oder Jahrzehnten in Deutschland lebten und die Abschiebungen nicht aufgrund abgelehnter Asylanträge, sondern aus anderen Gründen erfolgten.
 
Die Präsentation wies darauf hin, dass Roma aus der Ukraine, insbesondere jene mit angeblichen EU-Staatsbürgerschaften, mit antiziganistischen Vorurteilen konfrontiert waren. McGinley erklärte, wie Antiziganismus dazu führt, dass Roma selten als Individuen, sondern als anonyme Masse wahrgenommen werden, der pauschale Eigenschaften zugeschrieben werden. Dieses "rassistische Wissen" basiere nicht auf Fakten oder Verhaltensweisen real existierender Roma, sondern auf jahrhundertealten Vorurteilen.
 
Die Präsentation betonte, dass Antiziganismus kein einfaches Vorurteil ist, sondern eine Ideologie, die das Selbstbild der Mehrheitsgesellschaft beeinflusst und eine enge Verbindung mit Institutionen aufweist. Eine rationale Argumentation allein reiche oft nicht aus, um antiziganistische Denkweisen zu überwinden. Es sei entscheidend, diese Vorurteile in der Mehrheitsgesellschaft anzuerkennen und offen damit umzugehen.
 
Die Präsentation von Seán McGinley beleuchtete die tief verwurzelten Vorurteile und Vorstellungen über Roma im Kontext von Migration und verdeutlichte, wie diese Vorurteile die Wahrnehmung und Behandlung von Roma beeinflussen. Sie betonte die Notwendigkeit von Offenheit und Selbstreflexion, um Vorurteile zu überwinden und eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen.
 
Rizwana Habibullah, Anlaufstelle Pro Sinti & Roma e.V Raum Heidelberg
 
Kemal Ahmed, Rizwana Habibullah, Sean McGinley (v.l.n.r.)