Im Panel I., hochrangig besetzt mit Romeo Franz, EU Abgeordneter, Gari Pavkovic, Abteilung Integrationspolitik Stuttgart, verschiedenen Vertretern von Roma-Selbstorganisationen und Mitarbeiter*innen des VDSR wurde über die aktuellen Herausforderungen für Landkreise, Städte und Kommunen in Erstaufnahme-Einrichtungen bei der Arbeit mit Roma aus der Ukraine gesprochen. Es wurde betont, dass es notwendig ist, bei der Arbeit mit Roma Vertrauenspersonen ansprechen zu können. Diesen sollten unbedingt Fortbildungsmöglichkeiten angeboten werden.
Romeo Franz ging in seinem Statement auf den massiven Antiziganismus in der Mehrheits-bevölkerung der Ukraine ein. Ohne Strategieplan der Ukraine zum Abbau des Rassismus sei eine Aufnahme in die EU undenkbar.
Im Panel II wurde nach Handlungsansätzen gesucht, die sich in der bisherigen Arbeit bewährt haben. Das Panel wurde eingeleitet mit einem Impulsvortrag von Sean McGinley (Verbund Asyl und Migration Göttingen). Er berichtete über eine mehrteilige Schulungsreihe für Haupt- und Ehrenamtl. und betonte, dass die Arbeit mit Roma in den Erstaufnahme-Stationen nicht ohne Hauptamtliche bewältigt werden kann.
Im Rahmen dieser Schulungen könnten die Teilnehmer tiefsitzende Denk- und Handlungsmuster überprüfen. Zielsetzung sei , durch entsprechende Sensibilisierung wesentliche Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Roma-Familien zu erarbeiten.
Beteiligt waren u.a. Herr Riemenschneider und Frau Melis von der Diakonie Württemberg, Frau Wenger vom Sozialamt Stuttgart, Frau Mack von der Koordination der Flüchtlingsunterbringung im Kreis Heidenheim, Frau Husseini und Herr Arvanitelli vom VDSR, sowie Dr. Anne Wenk vom Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis.
Die Mitarbeiter des Diakonischen Werks stellten Projekte mit Roma-Kindern in der Ungarn vor, bei denen neben Essen und Hausaufgabenbetreuung auch intensive Familienarbeit geleistet wurde. Ein Rom, der selbst im Security-Bereich von Flüchtlingsunterkünften arbeitet, beklagte dort erhebliche Sicherheitsmängel. Als positives Beispiel wurde von einer Jugendamts-Mitarbeiterin in der anschließenden Diskussion auf den Schul-Workshop der Uhland Schule in Zuffenhausen verwiesen, den wir , Pro S&R e.V. zusammen mit „ Migrant*innen machen Schule“, vor kurzem durchgeführt haben.
Abschließend wurde im Panel III die Frage aufgeworfen: Welche langfristigen Herausforderungen bleiben über 2023 hinaus bestehen und Welchen Beitrag können Politik, Wirtschaft, Kommunen, soziale Einrichtungen und die Zivilgesellschaft leisten?
Dazu gab es einen kenntnisreichen Impulsvortrag von Prof. Dr. Scherr aus Freiburg. Teilnehmer des Panels waren Daniel Lede Abas, Landtag BaWü, Prof. Dr. Birgit Loder-Fink, Mini-sterium für Soziales, Gesundheit und Integration, Alexander Diebold von der Hildegard Lagrenne Stiftung, sowie eine Reihe von Vertreter*innen aus Selbstorganisationen, darunter ich als Vertreterin von Pro Sinti & Roma e.V.
In meinem Beitrag habe ich betont, dass zwingend eine starke, eigene Interessensvertretung der Roma aufgebaut werden muss. Voraussetzung dafür ist:
- Beratung und Begleitung bei allen Fragen gesellschaftlicher Teilhabe.
- Intensive Zusammenarbeit mit der Politik und allen sozialen, pädagogischen und politischen Institutionen. Hervorgehoben habe ich das Beispiel unseres Vorsitzenden Kemal Ahmed der sich mit Frau Böhlen (Bürgerbeauftragte in BaWü) intensiv über institutionelle Diskriminierung auseinandergesetzt hat.
- Gesellschaftliche Sensibilisierung und Abbau von Diskriminierung
Anne Vogler-Bühler, Dipl. Sozialarbeiterin & Zertifizierte Mediatorin, Stuttgart