Wir im Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit Waldkirch mussten reden…

darüber, wie es uns nach der Veröffentlichung des Gutachtens der AG „Machtstrukturen und Aktenanalyse“ als Christinnen und Christen geht und wie wir damit umgehen wollen.
 
Als am 18. April 2023 der Bericht der unabhängigen AG „Machtstrukturen und Aktenanalyse“ in unserer Erzdiözese veröffentlicht wurde, wurde offensichtlich, wie Erzbischöfe Jahrzehnte den Missbrauch an Minderjährigen durch Priester gedeckt und vertuscht haben. Ihnen ging es einzig und allein darum den Schein der Institution Kirche nach außen zu wahren. Es wurde deutlich, dass durch die herrschenden Machtstrukturen systematisch Opfer ignoriert, Täter geschützt und die Verantwortlichen gegen ihre eigenen Regeln verstoßen und geltendes Recht gebrochen haben.

Viele Christinnen und Christen hadern schon lange mit der autokratischen Art unserer Kirche und ihren hierarchischen Machtstrukturen. Der aktuelle Bericht hat nun für viele das „Fass zum Überlaufen“ gebracht, sodass sich auch Mitglieder unseres Pfarrgemeinderates die Frage stellen, ob sie in dieser Kirche noch beheimatet sein können. Sie sind unsicher, wie sie mit der Situation umgehen und welche Konsequenzen sie ziehen sollen.
 
Beim Austausch im Rahmen einer Zukunftsklausur am 06. Mai 2023 zeigte sich, wie bestürzt die Mitglieder unseres Pfarrgemeinderates über das erschreckende Ausmaß sind, in welchem Umfang Verantwortliche in der Erzdiözese Freiburg Missbrauch an jungen Menschen vertuscht und Täter geschützt haben. Es herrscht Entsetzen und Wut darüber, dass Missbrauchsopfer über Jahre verletzt und entwürdigt wurden, nicht nur durch die Taten selbst, sondern auch durch die fehlende Anerkennung des erfahrenen Leids durch Verantwortliche der Kirche und die fehlende Würde im Umgang mit ihnen.
 
Als Pfarrgemeinderat der Kirchengemeinde Waldkirch verurteilen wir den menschenverachtenden Missbrauch. Genauso das autokratische Verständnis von Leitung und Verantwortung, das solches Handeln ermöglicht, gedeckt und geschützt hat. Gerade die festgefahrenen Strukturen, vermeintlich fehlende Spielräume für Veränderungen und wenig erlebte Bereitschaft für grundlegende Reformen (wie z.B. im synodalen Weg) frustrieren uns. Sie führen zu Resignation und immer mehr dazu, dass viele ihr eigenes Engagement in der Kirche vor Ort in Frage stellen.
 
Wir sind der Überzeugung, dass niemand über dem Gesetz steht. Macht in unserer Kirche darf nur ausgeübt werden, wenn sie den Menschen dient und durch das Recht begrenzt und kontrolliert wird. Wir sind der Überzeugung, dass unsere Kirche sich ändern und demokratisieren muss. Leider zeigen sich die Zeichen dafür nur sehr zaghaft.
 
Unsere Solidarität gilt den Opfern. Ihr erlittenes Leid ist für uns Motivation, aus der Vergangenheit zu lernen, die Menschenwürde in den Mittelpunkt unserer pastoralen Arbeit zu stellen und in der Nachfolge Jesu nach neuen Wegen zu suchen, wie dies gelingen kann. 
 
Wir möchten lernen, wachsam zu sein in unserem Umgang mit Macht, um noch mehr eine Kultur der Achtsamkeit und des Respekts zu leben, die der Botschaft Jesu entspricht.
 
Michael Spielmann 
Pfarrgemeinderatsvorsitzender
 
Pfr. Thomas Braunstein
Leiter der Seelsorgeeinheit
                                      
und die Mitglieder des Pfarrgemeinderates:
Gesine Andres, Edwin Dreher, Gabi Dilger, Gertrud Emmler, Elke Gorhan, Hubertus Golisch, Monika Heizmann, Martin Hünerfeld, Benedikt Kienast, John Kenny, Barbara Mack, Henrice  Nopper, Astrid Notter-Langenbach, Susanne Resch, Christina Sauer, Achim Schneider, Christine Singler, Jacqueline Tkocz, Florian Weis, Klaus-Martin Weih, Christoph Gairing, Christin Rims, Maximilian Kleis
 

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