Ein Treffen in der LEA in Meßstetten (Zollernalbkreis)
An dem Treffen nahmen neben geflüchteten Roma aus der Ukraine der Vorsitzende & Koordinator von Pro Sinti und Roma, Herr Kemal Ahmed, der Landrat, Herr Günther Martin Pauli, sowie der Leiter der LEA in Meßstetten, Frank Maier vom Regierungspräsidium, teil.
In der LEA in Meßstetten (Zollernalbkreis) sind ca. 400-500 Roma aus der Ukraine untergebracht. Der Leiter der LEA, Herr Maier, betonte, dass es dort sehr große Schwierigkeiten mit den geflüchteten Roma gebe. Die meiste Diskriminierung komme von den geflüchteten Ukrainern. Weiße Ukrainer, die nicht zur Minderheit der Roma gehören, würden sich zum Beispiel nicht mit den Roma in einem Raum aufhalten oder gemeinsam mit ihnen wohnen wollen. Es sei auch schon mehrmals zu gegenseitigen Schlägereien gekommen.
Daher war entschieden worden, die geflüchteten Roma separat im Block 5 unterzubringen, wo nun laut Herr Maier ausschließlich geflüchtete Roma aus der Ukraine wohnen. Dort gebe es Probleme mit der Mülltrennung und allgemein mit Sauberkeit und Hygiene sowie mit der Kommunikation. Herr Günther Pauli, der Landrat, erzählte, dass die Stimmung im Landkreis kippen werde, weil die Roma nachts bei den Einheimischen klingeln und betteln würden. Ebenso tränken sie Alkohol und ließen die Bierflaschen oder andere Flaschen auf der Straße liegen. Herr Pauli sagte, sein Anliegen sei es, die Roma zu integrieren.
Der Vorsitzende & Koordinator der Anlaufstelle Pro Sinti & Roma erklärte, dass Antiziganismus leider auch heute noch sehr stark verbreitet ist. In der LEA leben ca. 1600 Personen, davon 400-500 Roma, die nicht für alles, was schiefgeht, verantwortlich gemacht werden dürfen. Wichtig wäre, mit den Roma ins Gespräch zu kommen und Vertraulichkeit zu gewinnen. Man weiß nicht genau, was die Familien oder die alleinerziehenden Frauen durch ihre Flucht erlebt haben. Viele sind psychisch nicht stabil und viele Männer kämpfen nach wie vor auf der Seite der Ukraine. Es sei außerdem nichts Neues, dass Roma sowohl in ihren Heimatorten in der Ukraine als auch hier in Deutschland diskriminiert werden.
Der richtige Weg ist Gleichberechtigung und Integration für alle. Im Gespräch wurde sichtbar, dass die MitarbeiterInnen der LEA und auch die PolitikerInnen im Umkreis sehr wenig über Roma wissen.
Im Gespräch mit den Roma in der LEA wurde von diesen explizit der Wunsch geäußert, einen Roma als Ansprechpartner zu haben, woraufhin der Leiter der LEA in Aussicht stellte, dass dies möglich gemacht werden könnte.
Der Landrat Herr Günther Pauli wünschte sich zudem ein weiteres Treffen im September mit den BürgermeisterInnen des Zollernalbkreises und mit Pro Sinti und Roma. Es soll eine Beratung durch Pro Sinti und Roma stattfinden, auch eine Veranstaltung gegen Antiziganismus ist geplant.
Nach dem Gespräch mit den Politikern wollten die geflüchteten Roma alleine mit Kemal Ahmed sprechen. Sie berichteten, dass neu ankommende Roma zunächst kein Geld bekämen, sondern erst nach ein oder zwei Wochen. Die meisten von Ihnen hätten nicht genug Kleidung, weshalb die Kinder zum Teil nackt über den Hof laufen würden, was ihnen sehr peinlich sei. Auch Hygieneartikel fehlen meistens, weil die Neuankommenden nicht wissen, wo sie hingehen können, um diese zu erhalten.
Kemal Ahmed, der Vorsitzender & Koordinator kann, durch die finanzielle Unterstützung von Kubus e.V. und die Stiftung Deutscher Postcode, für zwanzig neu ankommende Roma-Familien je 100 Euro zur Verfügung stellen.