Rückblick auf das Roma Netzwerktreffen

Am Sonntag, den 12. Juli 2020 fand das zweite Roma-Netzwerktreffen online als Video-Chat statt. Zunächst begrüßte der Leiter der Anlaufstelle Pro Roma sowie der Leiter der Seelsorgeeinheit, Pfarrer Thomas Braunstein die Teilnehmenden. Danach folgte eine kurze Vorstellungsrunde, das Gruppengespräch und die Berichte. Nachfolgend veröffentlicht die Anlaufstelle das Protokoll der Sitzung.

Protokoll des 2. Roma-Netzwerktreffen (online) am Sonntag, den 12.07.2020

 
Ort:                       Skype-Chat
 
Anwesend:     Andreas Hoffmann-Richter, Anlaufstelle Pro-Roma/ Kemal Ahmed, Thomas Braunstein, Carmen Scheuerle de Brito, Christine Spreckelsen, Eva-Maria Herms, Jacqueline Tkocz, Robert Thömmes, Renate Melis, Sean McGinely, Slavica Husseini
 
Zeit:                      15.00 Uhr bis ca. 16.40 Uhr
 
Protokoll:           Christine Spreckelsen
 
 
  • Begrüßung durch Kemal Ahmed und Pfarrer Thomas Braunstein

  • Kurze Vorstellungsrunde

  • Gruppengespräch/Berichte

    • Frau Herms betont aus Ihrer Erfahrung aus der Nothilfe heraus die Wichtigkeit der Verbesserung der Lebenssituation von Sinti/Roma, deren Situation vor Ort
 
    • Frau Husseini berichtet, dass sich die Situation in den Erstaufnahmeeinrichtungen verschlechtert habe. Es seien beispielsweise die Gelder für Dolmetscher gestrichen worden, sodass die Flüchtlinge extrem Schwierigkeiten hätten, ihre Rechte wahrzunehmen/einzufordern, da sie beispielsweise einen Negativbescheid bekämen, diesen nicht verstehen könnten und somit die Fristen für einen Einspruch ablaufen würden, rasche Abschiebungen erfolgen würden. In Karlsruhe seien aktuell ca. 14-16Familien. Es wird versucht durch Mitglieder des Freundeskreis Asyl 1x/Woche in den Erstaufnahmeeinrichtungen vor Ort zu sein, um Beratung möglich zu machen. Ein fester Tag und somit verlässlicher Tag wäre ein Ziel.
      Der Zugang zu Erstaufnahmeeinrichtungen ist jedoch erschwert, da streng geregelt, sodass die Beratung von  manchen Familien nicht suffizient erfolgen kann.
 
    • Insgesamt zeigen sich die öffentlichen Behörden als erschwert zugänglich. Es herrscht der Eindruck, dass Corona teils instrumentalisiert wird, um z.B. den Zugang zur Ausländerbehörde für Flüchtlinge zu erschweren.
 
    • Sean McGinley berichtet, dass nach einer Covid-bedingten Abschiebepause wieder Abschiebungen stattfinden. Betroffen sind jedoch nicht nur kürzlich eingetroffene Flüchtlinge, sondern auch teils jahrelang in Deutschland lebende Roma, deren rechtzeitige Beratung und Rechtsbeistand eine Abschiebung verhindern hätte können. Eine Detektion und Beratung solcher integrierter Roma sollte vermehrt in den Fokus geraten.
 
    • Es sollte ein Netzwerk aufgebaut werden in welchem die Informationen über Möglichkeiten zum Bleiberecht zugänglich sind.
 
    • Ein Fernziel wäre überdies die vermehrte Einbindung der Roma Community für ihre eigenen Belange / Selbstorganisation.
 
    • Frau Melis berichtet über die schlechte Situation von Roma, die in Stuttgart im Schlosspark unerwünscht seien, nicht unterstützt, sondern diskriminiert würden. Sie erlebe ein übergriffiges Vorgehen der Polizei gegen bettelnde Roma, denen beispielsweise das selbst gesammelte Leergutgeld abgenommen werde, um Betteln zu verhindern.
 
    • Die Lebenssituation der Sinti sei etwas besser, jedoch ebenso geprägt von Diskrimination. So sei der Zugang zum Arbeits- und Wohnungsmarkt erschwert. In der Schule erlebe man im Alltag konkrete Diskriminierung.
 
    • Herr Hoffmann-Richter informiert darüber, dass eine Stelle für einen hauptamtlichen Rom zur Betreuung Geflüchteter Roma in Württemberg vorgesehen sei. Aufgrund der Coronakrise seien die Gelder nicht gesichert. Ebenso ende leider aus finanziellen Gründen vermutlich Dez. 2020 ein aktuell laufendes Projekt zur Unterstützung der Ärmsten aus Europa/v.a. Obdachlosen.
 
    • Es folgen Berichte über die mangelnde Information auch schwangerer Geflüchteter über Ihre Rechte insbesondere bzgl. Arbeitsrecht.
⇒ Gutes Beratungsangebot bzgl. Arbeitsrecht: mira-beratung.de
 
  • Netzwerk-Arbeit
    • In welcher Form kann die Arbeit für und mit Flüchtlingen in BW koordiniert werden, wer mit wem kooperieren?
⇒ Ein Gespräch diesbezüglich soll erfolgen und möglichst folgende Teilnehmer mit einbeziehen:
Landesverband Sinti&Roma BW (Andreas Hoffmann-Richter, Daniel Strauß?),
Pro-Roma (Kemal Ahmed), Flüchtlingsrat BW (Sean McGinley), Freundeskreis Asyl (Slavica Husseini).
 
    • Information über die Rechte der Flüchtlinge, Wege zum Bleiberecht soll gesammelt und in mehreren Sprachen online zugänglich gemacht werden. Ggf. könnten auch neuere Medien (z.B. Whatsapp-Video-Botschaften helfen, insbesondere bei analphabeten).
      ⇒ Sean McGinley und Jacqueline Tkocz sammeln bis zum nächsten Treffen wichtige Rechtliche Infos, die dann geordnet/übersetzt/online gestellt werden können
    • Ein Netzwerk-Emailverteiler wird erstellt, um gezielt Einladungen/Protokolle versenden zu können. 
    • Teilziel des nächsten Treffens: Überblick
      ⇒ Wo liegen die Kompetenzen im Netzwerk?
      ⇒ Wo ist Bedarf? (Ehrenamtlich/Hauptamtlich)
      ⇒ Erster Termin / Ergebnis bzgl. BW- Netzwerkkooperation?
  • Nächstes Netzwerktreffen
    voraussichtlich Sonntag, 08.11.2020 (nachmittags) , Gemeindezentrum Waldkirch