Fasten – Aushalten – (Er-)Warten
Historisch gesehen sollen sie den Menschen beim Fasten helfen.
Zum rein körperlichen Fasten kam das seelische Fasten, die Tücher trennten die Gemeinde vom Altarraum. Dem Gottesdienst konnte nur noch hörend gefolgt werden.
Heutzutage ist diese optische Trennung nicht mehr Zweck der Fastentücher. Besonders die Hungertücher des katholischen Hilfswerks Misereor (in Buchholz und Kollnau zu sehen) laden die Kirchenbesucherinnen und -besucher zur Meditation und zur Auseinandersetzung mit Themen der Entwicklungsarbeit ein.
| In der Mitte des Fastentuchs steht der hebräische Ausdruck hamakom, umgeben von Stoffstreifen, auf die Verse aus den Psalmen geschrieben wurden. Übersetzt heißt hamakom "der Ort". Der Gottesname wird im Hebräischen aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen; überall dort, wo der Gottesname "Jahwe" oder JHWH steht, wird ein Ersatzwort gelesen, z. B. "mein Herr", "der Name" oder "der Ort". So wird deutlich, dass alles, was der Mensch von Gott erhofft und erbittet, sein Suchen und Fragen, seine Freude und sein Schmerz, Not und Klage, Angst und Hoffnung einen Ort hat bei Gott selbst. "Der Ort" erinnert auch an den Tempel, in dem der biblische Mensch die Wohnung Gottes unter den Menschen gesehen hat. Doch ist dies nur eine Seite: Das Alte Testament relativiert diese Ansicht auch. Gott ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden, sondern er ist mit den Menschen unterwegs, geht sogar mit Israel ins Exil nach Babylon (Ezechiel 11). Er ist dort zu finden, wo die Menschen sind, wo sein Volk ist… Text: Annette Traber |
Das Fasten an sich ist aber nicht aus der Mode gekommen. Beliebte Fastenopfer sind seit alters her der Verzicht auf bestimmte Speisen wie Fleisch oder Süßigkeiten, Verzicht auf Annehmlichkeiten und Zerstreuungen wie Fernsehen, Handy oder Alkohol oder auch der Rückzug in die Stille. Der Sinn des Fastens ist sich neu auszurichten auf Gott hin, neu auszurichten an der Botschaft Jesu.
Viele Menschen freuen sich in der Fastenzeit doppelt auf Ostern. Einmal auf das Fest an sich, wenn wir die Auferweckung Jesu feiern. Dann aber sicherlich auch auf das erste Schokoladenei, das erste Glas Wein seit Langem. Viele Menschen leben und erleben bewusst diese 40 Fastentage. Viele Menschen erfahren Jahr für Jahr und immer wieder, dass Aushalten und (Er-)Warten die Freude steigern kann. Das beeindruckt mich.
Es scheint allerdings auch so, dass Aushalten und (Er-)Warten für manche Menschen fast nicht zu ertragen ist. Ich höre Eltern sagen, dass das Kind die Geschenke an Weihnachten schon am 24. Dezember morgens bekommt, weil "es nicht so lange warten kann". Dieses Jahr habe ich auch gehört, dass das Ostergeschenk schon Wochen vorher, mitten in der Fastenzeit, übergeben wird, weil "es bis Ostern noch so lange hin ist und im Moment das Wetter so schön ist".
Solche Aussagen bringen mich zum Nachdenken. Welchen Wert hat das Warten in einer Welt, in der man anders als früher auf vieles nicht mehr warten muss, sondern sofort haben kann.
Wenn ich als Jugendlicher eine neue CD kaufen wollte musste ich warten, bis ich in die Stadt kam, bis es Montag war, bis die Geschäfte öffneten. Heute streame ich die Musik, die ich hören möchte, sofort. Früher markierte ich mir in der Fernsehzeitschrift welchen Film ich ansehen wollte. Wenn ich die Zeit verpasste, war er vorbei. Heute schaue ich online in den Mediatheken was ich möchte oder "netflixe". So gäbe es sicher unzählige Beispiele, doch kann ich das mit der Fastenzeit vergleichen?
In vielen Bereichen ist, ob unseres technischen Fortschritts, Warten überflüssig geworden. Das ist gut. Doch gerade auf Ostern hin merke ich, welche Vorfreude in mir aufsteigt. An Ostern feiern wir Unglaubliches. Liebe besiegt den Tod. Wir feiern eine Zeitenwende. Wir feiern etwas so Großartiges, auf das es sich zu warten lohnt. Ich merke, dass ich gerne auf Ostern warte und mir nicht vorstellen kann, die Fastenzeit zu überspringen. Je größer das Ereignis ist, desto lieber und länger warte ich.
Beim Nachdenken erkenne ich für mich, dass die Wartezeit der Größe des Ereignisses angemessen sein muss. Ansonsten verliert das Ereignis irgendwann seinen Wert.
So halte ich die Wartezeit auf Ostern, diese Fastenzeit, gerne aus. Ich versuche meine Beziehungen zu Gott und seinen Menschen bewusst zu leben und bin voll Vorfreude auf Ostern. Ich hoffe Sie auch.





![Quelle: Bernhard Bußhardt [Mariä Heimsuchung, Suggental]](https://www.kath-waldkirch.de/im/img/_KrGYSQLbSrXmS-LWn6dWsWdOVvHbSh25SCHbFBD_Vv1mfCpmFruaKR3_ID35S3DmSRGJSOcJSj2fG-jWpoxWG6dfKCVaIHd5d/f,j/mariaeheimsuchung_1920x300_bb.jpg)



