Liebe Gemeinde,
es ist hier wohl schon länger Brauch für aus unserer Gemeinde / unseren Familien Verstorbene in Peru eine "Messe lesen zu lassen", d.h. von irgendeinem Priester dort und an welchem Ort auch immer.
Peru-Intentionen
Mich überrascht das Bestehen dieses Brauches sehr, weil er mich an ein Verständnis erinnert, dass es vor Jahrhunderten gab, als eine oder möglichst viele Messen gelesen wurden, damit der Verstorbene in den Himmel kommt. Es erinnert mich an den sogenannten "Ablaßhandel", d.h. dass gegen Bezahlung eines Geldbetrages eben ein "Ablaß" für einen Verstorbenen zu bekommen war.
Ich selbst pflege den Brauch, dass einmal im Jahr - um den Todestag meiner Eltern herum - in meinem Heimatort Mahlberg ein Gedenken gefeiert wird, zu dem - soweit möglich - meine Geschwister oder noch lebende Weggefährtinnen und Weggefährten meiner Eltern kommen. Es hat einen tiefen Sinn im Miteinander und in der Verbundenheit der Trauer. Wir alle, die wir als Mitfeiernde da sind, setzen uns quasi mit den Verstorbenen an den "himmlischen" Tisch des Herrn und sagen in der Eucharistie Gott Dank. Wir verbinden uns darüber hinaus in der Auferstehungshoffnung. Für meine Familie und für mich sind das immer ganz besonders dichte Momente der Verbundenheit, die (er-)lösen und dem Verstorbenen sein "Ruhe in Frieden!" geben.
Das Totengedenken in der Eucharistiefeier, z. B. die üblichen drei Seelenämter oder Jahrtagsgedenken, haben eine große Kraft in sich, die im Miteinander-Verbunden-Sein trägt und heilt. Viele Trauernde bestätigen das und erleben es als äußerst tröstlich. Der Name des Verstorbenen wird genannt, wird gewürdigt und bringt seine ganze Lebensgeschichte präsent in die Feier ein. Hier kann Vergebung geschehen. Hier kann Heilung von Wunden geschenkt werden. Hier wird die Verbundenheit, das tragende "Nicht-Alleine-Sein" in der Trauer, wahrgenommen. Hier werden die Trauernden gewürdigt. Hier wird der Verstorbene mit seinem ganzen Leben Gott hingehalten. Ich bin davon überzeugt, dass ein Totengedenken in der Gemeinschaft vor Ort seine positive Wirkung entfaltet und hat.
Schwierig finde ich jedoch den Brauch eine Messe irgendwo in der Welt (z.B. in Peru) für Verstorbene "lesen" zu lassen. Gerne dürfen Sie, die es bisher so gehandhabt haben, dies weiter tun und direkt nach Peru oder wo auch immer hin spenden. Wir werden jedoch mit dem kommenden Pfarrblatt die Namen der Verstorbenen nicht mehr veröffentlichen für die in Peru eine Messe gelesen wird. Ich hoffe und bitte um Ihr Verständnis.
Herzliche Grüße
Pfarrer Thomas Braunstein





![Quelle: Bernhard Bußhardt [Mariä Heimsuchung, Suggental]](https://www.kath-waldkirch.de/im/img/_KrGYSQLbSrXmS-LWn6dWsWdOVvHbSh25SCHbFBD_Vv1mfCpmFruaKR3_ID35S3DmSRGJSOcJSj2fG-jWpoxWG6dfKCVaIHd5d/f,j/mariaeheimsuchung_1920x300_bb.jpg)


